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Architekturgenie Palladio: Weltweit kopierte Villen

enit_chiericati150.jpg Schlichtheit, Proportion, Symmetrie: Was einst in Venetien entstand, hat sich in der Renaissance unter dem Baumeister Andrea Palladio zu einem der bedeutendsten italienischen Exportschlager entwickelt: Palladio-Villen wurden weltweit kopiert, aber nur im Veneto gibt's die Originale.

Bilder-Galerie: Palladios berühmte Bauwerke

 

Wahrscheinlich konnte diese Bauweise überhaupt nur in Venetien entstehen: Unter dem Stichwort "Villeggiatura" verband sich im Veneto die verfeinerte Stadtkultur Venedigs mit den bodenständigen Qualitäten des Landlebens. Dieser unwiderstehlichen architektonischen Mischung begegnet man im Veneto auf Schritt und Tritt, und zwar in Form der verblüffend modernen Renaissance-Villen des Architekten Andrea Palladio (1508-1580).

 

Palladio als Exportschlager

Sein Beispiel machte Schule. Der Baustil Palladios hat sich von seiner italienischen Heimat über die ganze Welt verbreitet. Im 17. und 18. Jahrhundert ließ der englische Adel seine Country-Houses in einem klassizistischen englischen Stil bauen, der schlicht Palladianismus hieß. Ausgehend vom Wörlitzer Schloss, kam in Deutschland die Mode vom Bauen à la Palladio zunächst nach Weimar. Goethe schwärmte: "Es ist wirklich etwas Göttliches in seinen Anlagen!" Die ideale Baukunst kam bis nach Skandinavien und nach Russland, wo sich zum Beispiel die Sommerresidenz des "Lolita"-Dichters Nabokov von Palladio inspiriert zeigt.

Besonders große Fans fand Palladio jenseits des Großen Teichs: Von Thomas Jeffersons Landsitz Monticello bis zum Weißen Haus blühen allerorten Villen in diesem Stil. Jefferson hat nicht nur die Unabhängigkeitserklärung verfasst, sondern ebenso eigenhändig seinen italienseligen Landsitz entworfen.

 

Am Anfang war der Dichter

wPalladio150.jpg Zurück zum Ausgangspunkt, der in der italienischen Provinz Vicenza liegt. Zuerst gab es eine Idee des Dichters Petrarca, der einen neuen Lebensstil propagierte. Es galt, wieder Lust am Offenen und der Landschaft zu haben. Die mittelalterliche Verbarrikadierung vor den Gefahren der wilden Natur sollte der Neugier weichen. Dementsprechend durfte die Behausung keine Festung mehr sein. Für die Humanisten, die fortschrittlichen Wissenschaftler der Renaissance, war klar: Nur eine Rückbesinnung auf antike Formen konnte dem neuen Ideal nahe kommen.

Zu Beginn des 16. Jahrhunderts, in der Zeit Palladios, waren die Intellektuellen oft Philosophen und Archäologen, Künstler und Architekten. Scharfe Grenzen und Spezialisierungen gab es kaum.

 

Märchenhafte Biografie

Die Bedingungen für eine Begabung wie Andrea Palladio waren denkbar günstig. Und er hatte Glück. Der Analphabet aus einfachen Verhältnissen begegnete beim Bau von dessen Landsitz einem adeligen Herrn, Giangiorgio Trissino, der Palladios Talent erkannte. Ihm verdankte der spätere Baumeister die Ausbildung in Rom, die Bekanntschaft mit antiker Architekturlehre und schließlich sogar seinen Namen. Aus dem einfachen Steinmetzgesellen Andrea della Gondola wurde Andrea Palladio. Niemand geringeres als Pallas Athene, die Göttin der Weisheit, hatte Pate gestanden.

Das Besondere an Palladio war sein praktisches, zugreifendes Genie, dem es gelang, aus der Begeisterung für die Antike einen modernen Baustil für seine Zeit zu ziehen. Er hat Palazzi, Brücken, Kanäle und vieles andere gebaut. Am berühmtesten sind aber die Villen.


enit_rotonda70.jpgBilder-Galerie

Villen, Rathäuser, Brücken und mehr: Berühmte Palladio-Bauwerke und bekannte Nachahmer.

 




 
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