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Die Sonne scheint, das Wasser im Golf von Neapel ist tiefblau und kristallklar. Doch durch die Luft wabert der Dieselgeruch der touristenbeladenen "Motoscafi". Es stinkt ein wenig vor der Höhle zum Paradies.
Zwei Stunden Wartezeit
Im Sommer herrscht Hochbetrieb vor der Grotte, zwei Stunden Wartezeit sind keine Seltenheit. "Halb so schlimm, man genießt das Sonnenbad auf dem Meer und die herrliche Aussicht", tröstet ein braun gebrannter Bootskapitän seine Gäste.
Diese müssen vor der Fahrt durch die "Grotta Azzurra" noch einmal umsteigen: Nur die kleinen Ruderboote aus Holz passen durch den niedrigen Grotteneingang - den Kopf einziehen und ganz flach auf den Rücken legen, lautet das Motto.
"Ein neues Wunder", jubelte einst August Kopisch (1799 bis 1853), der Wiederentdecker der Grotte. Der deutsche Dichter und Maler ließ sich nicht vom Aberglauben der Südländer abschrecken und schwamm 1826 mutig in die gefürchtete "Teufelshöhle" hinein. Drinnen brach Kopisch in Stürme der Begeisterung aus: Geheimnisvoll leuchtendes Wasser - von tiefblau bis zu türkisen Tönen - gebe es hier, schrieb er später.

Die "Grotta Azzurra" und mehr: Auf den Spuren von August Kopisch und Kaiser Tiberius
Ein einzigartiges Blau
Allein durch den Lichteinfall strahlt das Wasser der Grotte in dem einzigartigen Blau. Kopisch erahnte damals sicher nicht die Folgen seiner Entdeckung. Schuld am Massentourismus, der sich an der Höhle entwickelt hat, war dann allerdings auch nicht er, sondern sein Begleiter: Der capresische Fischer witterte bereits vor mehr als 170 Jahren das große Geschäft und bot Besichtigungsfahrten durch die Grotte an.
Das war der Beginn der Invasion. Immer mehr Neugierige wollten das "blaue Wunder" mit eigenen Augen sehen. Mitte der fünfziger Jahre taten sich dann findige Fischer mit ihren Booten zusammen und gründeten den Verbund der "Motoscafisti".
Die Magie von einst ist geblieben
Die Magie von einst ist geblieben, die Ruhe aber ist dahin. Laute Begeisterungsrufe tönen durch die Grotte, überall flackert das Blitzlicht der Kameras. Und gelegentlich schmettert einer der durchtrainierter Ruderer auch ein "O-sole-mio" - gegen ein Trinkgeld, versteht sich. Die Besucher in den Booten haben während dessen kaum Zeit, den Zauber zu genießen und das unvergleichliche Blau zu bestaunen: Höchstens vier Minuten dauert die Fahrt durch die Höhle.
Die Einfahrt in die "Grotta Azzurra" kostet 8,10 Euro pro Person. Mit zusätzlich 6 Euro ist die Anfahrt per Motorboot kaum günstiger. Gratis und ganz für sich allein hatte dagegen einst Kaiser Tiberius (42 vor Christus bis 37 nach Christus) die blaue Schönheit:
Der römische Herrscher, der sich auf Capri eine pompöse Residenz bauen ließ, soll die Grotte sozusagen als Riesen-Badewanne genutzt haben.
Auf den Spuren von August Kopisch und Kaiser Tiberius können heute nur noch ganz wenige wandeln. Heimlich kehren Roberto und seine Rudererkollegen am Abend in die verlassene Grotte zurück, um ein Bad zu nehmen. Für alle anderen Besucher gilt: Das Schwimmen im Paradies ist strengstens verboten.
[Text: gms / Fotos: gms und www.capri.net]
Weitere Informationen
Im Web: www.capri.net
Im Web: 360° Panorama-Bilder von Capri
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von R. Strüber, A. Wurth
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