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Expo 2015 in Mailand
expo_234Die Internationale Weltausstellung zu ergattern, ist ein Glücksfall für jede Stadt. Gleich nach der Fußball-Weltmeisterschaft und den Olympischen Spielen ist die Expo das Event für eine ganze Region, das Geld und Aufmerksamkeit bringt. Sie schafft schon in der Vorbereitung Tausende Arbeitsplätze, bringt viele Millionen Besucher und damit hohe Einnahmen.

Mailand hat sich diesen Konjunkturanschub par excellence für 2015 gesichert. Mit 86 gegen 65 Stimmen entschied sich das Internationale Expo-Büro (IEB) in Paris für die lombardische Hauptstadt. Die Mitanwärterin, die türkische Stadt Izmir, zog den Kürzeren.

Öko-Konzept

Der erste Anlauf der Türkei, eine Weltausstellung auszurichten, ist schief gegangen. Vielleicht auch deshalb, weil Mailand mit den besseren Plänen und der Unterstützung des Friedensnobelpreisträgers Al Gore antrat. Offenbar war der Fürsprecher der Türken – Ex-Bundeskanzler Gerhard Schröder – nicht in gleicher Weise überzeugend. Die norditalienische Industriestadt setzt auf die heißen Themen Umwelt und Urbanistik. Das klingende Motto „Den Planeten ernähren, Energie für das Leben“ wird ganz konkret in der Stadt angegangen. Eine Schlüsselrolle hat dabei Andreas Kipar, ein deutscher Landschaftsarchitekt, der Zentrum und Umland unter Einbeziehung der Peripherie verbinden möchte.

Seine „Zauberformel“ sind dabei die „grünen Strahlen“, die von der Stadtmitte in die umgebende Region dringen. Alte Industrieanlagen werden mit Wasser und Grün in Stadtoasen verwandelt. Der Expo-Zuschlag hat ein 20 Milliarden schweres Investitionsprogramm für Mailand in Gang gesetzt: Autobahn und U-Bahn, Hotels, drei neue Wolkenkratzer, ein neues Ausstellungsgelände … Sowieso Mode-, Kultur-, Bankenmetropole, ist die Stadt auf dem besten Weg, ihr Image als heimliche Hauptstadt von Bella Italia zu festigen.

Verständliche Freude

Zur italienischen Delegation in Paris gehörte neben Mailands Bürgermeisterin Letizia Moratti auch der Ex-Regierungschef Romano Prodi. Der Siegesjubel war riesig. Auch Rom, Turin, Neapel, Genua und Mailand selbst (1906) waren schon Expo-Orte – der neuerliche Zuschlag bestätigt den Nationalstolz der ganzen italienischen Nation. Für die Siegesfeier in Mailand wurde die längste Einkaufsstraße, der Corso Buenos Aires, zur Jubelmeile. Frei-Spumante floss reichlich, und die Bürgermeisterin beehrte diese „Victory Parade“ vom Verdeck eines offenen Autobusses aus. Auf dem Domplatz überstrahlte ein riesiges Dank-Plakat an alle, die bei der Bewerbung mitgewirkt hatten, die Feierlichkeiten.

Historie

Die Idee der Weltausstellung wurde 1851 von Prinz Alberts in London geboren, wo im Hyde- Park die erste Expo stattfand. Damals gab es mit dem bis heute zu bewundernden Crystal Palace einen großen Ausstellungs-Pavillon für alles und alle. Präsentiert wurden und werden technische und kunsthandwerkliche Höchstleistungen. Seit 1928 ist das Pariser Büro für die offizielle Vergabe der unregelmäßig stattfindenden und drei bis sechs Monate dauernden „Exposition Universelle Internationale“ zuständig. Inzwischen gibt es jeweils eine Vielzahl von Ausstellungspavillons, die in der Hoheit der einzelnen Länder liegen. Meist steht die Weltausstellung unter einem verbindenden Motto.

expo_150x150Die ganz besondere Verbindung von technischer Faszination mit weltoffener Volksfeststimmung zieht die Besucher seit über 150 Jahren in ihren Bann. Und obwohl die meisten Pavillons am Ende der Exhibition abgebaut werden, künden architektonische Highlights wie der Eiffelturm, Grand und Petit Palais in Paris, der deutsche Pavillon in Barcelona und der Tower of Jewels in San Francisco von vergangenen Weltausstellungen. Ganz zu schweigen von den technischen Neuerungen, die auf Expos ihre Premiere hatten: zum Beispiel Näh- und Espressomaschine, Telefon, Eisschrank, Plattenspieler, Lippenstift, Rolltreppe, Reißverschluss …

Andere Expo-Gewinner

Die letzte Expo in Deutschland lockte die Massen 2000 nach Hannover. Schon zweimal waren nach dem Krieg Weltausstellungen hierzulande gewesen: 1957 in Berlin und 1965 in München. 2008 trifft man sich vom 14. Juni bis 14. September im spanischen Saragossa. Motto in diesem Jahr bei den Spaniern ist „Das Wasser und die nachhaltige Entwicklung“. Nachdem die Expo im französischen Seine-Saint-Denis 2004 abgesagt worden war, hatte man für 2005 Nagakute und Seto in Japan ausgewählt. Den Zuschlag für 2010 hat Shanghai bekommen, zwei Jahre später geht es wieder nach Asien, genauer nach Yeosu in Südkorea. Also zusätzlicher Grund zur Freude, dass für 2015 wieder Europa angesagt ist: Viva Milano!

[Leadsatz/bgu - Fotos: Fototeca ENIT/De Agostini Picture Library]


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