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Höhlenstadt Matera - Eine Reise durch die Jahrtausende
matera

In der Region Basilicata, am Stiefelabsatz Italiens, schlummert ein touristischer Geheimtipp. Inmitten der rauen Landschaft der Provinz Matera befinden sich die schon seit Jahrtausenden bewohnten „Sassi di Matera“, ein aus Höhlen und Brunnen bestehender alte Kern der Stadt Matera.

155 Kirchen auf engem Raum, ein historisches Ambiente das weltweit seinesgleichen sucht und einzigartige Gerichte der verschiedensten Kulturen und Epochen versprechen ein Urlaubserlebnis der ganz besonderen Art. Zuletzt wählte Mel Gibson Matera als Kulisse für die Kreuzigungsszene seines erfolgreichen Films „Die Passion Christi“. Auch Pier Paolo Passolini war - wie viele andere namhafte Regisseure Italiens - von der Architektur und dem morbiden Charme der Tuffsteinhöhlen dieser mittelgroßen süditalienischen Stadt so beeindruckt, dass er dort die Szene der Geburt Christi in seinem „Matthäusevangelium“ drehte. Carlo Levi setzte in seinem berühmten Roman „Christus kam nur bis Eboli“ den „Sassi di Matera“ ebenfalls ein literarisches Denkmal.

Urbanes Leben seit der Steinzeit

Die Sassi bilden als außergewöhnliches Beispiel einer Höhlensiedlung im Mittelmeerraum den größten Altstadtkern der Welt und sind bereits seit Jahrtausenden bewohnt.

Archäologische Funde weisen schon auf eine Besiedelung in der Jungsteinzeit hin, so dass dieses Gebiet als eine der ältesten Städte überhaupt gilt. Sämtliche Epochen und Kulturen haben bis heute ihre Spuren hinterlassen.

Einzigartige kulinarische Spezialitäten

So finden sich heutzutage noch griechische, arabische, spanische, jüdische, etruskische, frühchristliche und heidnische Riten und Mahlzeiten. Die Küche Materas ist somit in ganz Süditalien einzigartig und genießt unter Gourmets längst einen ausgezeichneten Ruf. Eine bereits vor 1000 Jahren anzutreffende Spezialität arabischen Ursprungs heißt Gnemurielli: Mit Rosmarin und Lorbeer gewürzte Innereien werden geschickt um Spieße gewickelt und über einen Holzkohlegrill geröstet. matera

Das Leben in Materas Höhlen war hart, entbehrungsreich und einfach. Mensch und Tier lebten hier ohne Fenster, ohne Strom und ohne fließendes Wasser. Sämtliche Familienmitglieder teilten sich einen Raum, der zugleich als Schlafzimmer, Küche, Vorratsraum und Stall diente. Bittere Armut, schlimme hygienische Zustände und nur unzureichende Schulbildung allenthalben.

Sehenswürdigkeiten der Ruhe

Daher wurden in den 1950er und 1960er Jahren per Gesetz die damals 20000 Bewohner aus den Sassi in neu gebaute Sozialwohnungen umgesiedelt. Seit den 90er Jahren wird die Altstadt von Matera renoviert und restauriert, so dass mittlerweile sehr reizvolle Wohn- und Geschäftsräume mit allem modernen Komfort entstanden sind.

Obwohl die aus Höhlen, Brunnen und einem ausgefeilten Bewässerungssystem aus der Bronzezeit bestehenden Sassi heute eine an singulären Bauwerken reiche Museumsstadt bilden, trifft man kaum Touristen. Die wenigen Besucher können in aller Ruhe die zahlreichen Sehenswürdigkeiten bestaunen. Dazu zählen unter anderem die Felsenkirchen „San Pietro Barisano“, „Santa Maria de Idris“ und „San Giovanni“, die Klosteranlage „Madonna della Virtu“, den „Torre Metellana“ sowie die Kirchen „San Antonio Abate“ und „San Pietro Caveoso“. Lediglich die Altstadt von Jerusalem könnte dieses historische Ambiente übertreffen.

[Text: laudatio / Fotos: Enit]

Weiterfürende Informationen im Web:

Website der Stadt Matera: www.comune.matera.it/
Matera - Schätze der Welt: www.schaetze-der-welt.de/denkmal.php?id=297
 
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