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Sardiniens spannende Unterwelt

 

sardinien_234Kristallklares Wasser, Traumstrände, felsige Schluchten – das ist das bekannte Gesicht Sardiniens. Buchstäblich darunter verbirgt sich die faszinierende Welt der Höhlen und Bergwerke, für die vor allem der Südwesten der Insel berühmt ist.

Bildergalerie: Minen und Höhlen

Montevecchio ist heute ein verschlafenes, kleines Dörfchen. Früher muss es eine sehr lebendige Stadt gewesen sein, denn unmittelbar unter dem Ort liegen die einst größten Blei- und Silberminen Europas. In der Blütezeit des Bergbaus von 1850 bis Mitte der 1960er Jahre versorgten die kilometerweit verzweigten Stollen neben Italien auch andere europäische Länder mit den begehrten Rohstoffen.

Harte Arbeit für die ganze Familie

In der Hochzeit des sardischen Bergbaus schufteten alleine in Montevecchio rund 3.000 Kumpel unter der Erde – während über Tage ihre Frauen und Kinder das geförderte Material trennten, wuschen und zerkleinerten. Hunderte Familien lebten und arbeiten in und von den Minen, die rasch zu autarken Städten wurden. Den Arbeitern versprachen die Minen des Sulcis ein besseres Leben als das karge Dasein als armer Kleinbauer oder Tagelöhner. Der Preis dafür war jedoch hoch: Hunderte Kumpel starben unter Tage, nach kurzer Zeit machte der Staub viele von Ihnen krank. Nur wenige Minenarbeiter wurden älter als 40.

Vor und während des Zweiten Weltkriegs ließ der italienische Diktator Mussolini die Minen des Sulcis und Iglesiente noch einmal gezielt ausbauen. Doch den Niedergang der größten italienischen Bergbauregion konnte das nicht aufhalten – nicht zuletzt, weil die Qualität der sardischen Kohle nicht mehr konkurrenzfähig war und die Stollen immer tiefer in die Berge getrieben werden mussten.


sardinien_148Bildergalerie

Spannende Stollen und bizarre Grotten: Fotos aus Sardiniens faszinierender Unterwelt



Niedergang und Neubeginn

In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts wurde eine Mine nach der anderen geschlossen, einige wenige hielten bis in die 1990er Jahre durch. Heute ist nur noch ein Kohlebergwerk in Betrieb. Einige der früheren Kumpel kehren dennoch regelmäßig an ihre alten Arbeitsplätze zurück: Als kundige Fremdenführer begleiten sie Touristen durch die Minen. Als erstes wurde 1996 die Mine von Montevecchio für Touristen geöffnet. Sie ist heute als UNESCO-Welterbe anerkannt.

sardinien_150Die Stollen von Porto Flavia bei Nebida kann man seit 2001 besichtigen. Diese spektakuläre Minenanlage wurde direkt an der Küste in den Berg getrieben, so dass sich Eingänge und Außenanlagen wenige Meter über dem Meeresspiegel an die Felsen schmiegen. Diese Bauweise hatte praktische Gründe, weil das abgebaute Blei, Zink, Silber und Quarz rasch auf Schiffe verladen werden konnte, die unterhalb der Mine ankerten.

Reise in den Untergrund

Inzwischen sind die größten Bergwerksanlagen in der Gegend allesamt zu besichtigen – wenn nicht gerade ein alter Stollen nachgegeben hat und neu hergerichtet werden muss. Ein Anruf bei der Bergarbeiter-Kooperative IGEA ist in jedem Fall hilfreich. Feste Schuhe und eine wasserfeste Jacke sind bei einem Besuch empfehlenswert, Helme und Taschenlampen bekommt man vor Beginn der Führung. Wer Platzangst hat, sollte sich die Minenführung zweimal überlegen; alle anderen erwartet eine abenteuerliche Reise in die sardische „Unterwelt“.



 
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