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Über Jahrhunderte fristeten die Abruzzen-Bewohner ein sehr isoliertes Leben. Die Bewohner der unwegsamen Gebirgsgegenden lebten weitgehend für sich, ohne Einfluss von außerhalb. Das beweist die Traditionsverbundenheit, die sich in zahllosen weltlichen und religiösen Riten zeigt. In Bezug auf die Kochkultur war die Autonomie eine Chance: Die kulinarischen Produkte der Region sind unverfälscht erhalten und werden auf althergebrachte Weise hergestellt.
Tugendsuppe
Wer die Minestrone für eine gewöhnliche Gemüsesuppe hält, ist bei der abruzzischen Variante auf dem Holzweg. Hier ist es ein magisches Gericht, das nach bindendem Ritus gekocht wird. Man nennt es "Virtù", die Tugenden, und verspricht bei richtiger Zubereitung glückbringende Wirkung. Nötig sind sieben Hülsenfruchtsorten aus dem Wintervorrat, sieben Gemüse als Frühlingsboten, sieben Sorten frische Hülsenfrüchte, sieben Gewürze, sieben Fleischsorten und sieben Nudelvarianten, dazu ein paar Reiskörner. Und das Gericht muss - man ahnt es - sieben Stunden köcheln!
Diese Minestrone wird zur Feier des 1. Mai gegessen und gemahnt an heidnische Versöhnungsrituale.
Die größte Insel im Mittelmeer bietet die vielleicht einfallsreichste Küche ganz Italiens.
Musikalische Nudeln
Unter den vielen hausgemachten Pastasorten hat ein Rezept besondere Berühmtheit erlangt: Maccheroni alla chitara, die ihren melodischen Namen dem Herstellungs-"Instrument" verdanken. In einem Rahmen aus Buchenholz werden in dichtem Abstand dünne Stahlfäden gespannt. Darauf wird der Nudelteig ausgebreitet. Rollt man mit einem Nudelholz darüber, entstehen kleine Bandnudeln.
 Lammfleisch & Fischsuppe
Schaf- und Lammfleisch spielen eine große Rolle, oft noch wie von alters her im Freien in einem Kupferkessel über der Feuerstelle zubereitet. Auch für die Innereien gibt es verschiedenste Rezepte, wobei - wie meist in der Abruzzen-Küche - den extrem scharfen Peperoncini-Schoten eine Hauptaufgabe zukommt.
Schweinefleisch wird vor allem zu Würsten, zum Beispiel Ventricina-Salami, verarbeitet. An der Adria steht natürlich Fisch und Meeresgetier auf den Speiseplänen, erwähnenswert sind die winzigen Agostinelli, kleine schmackhafte Seebarben. Auch die in Pescara erfundene raffiniert-scharfe Fischsuppe Brodetto hat eine gewisse Berühmtheit erlangt.
Käse für Feinschmecker
Eine wirkliche Delikatesse sind die Schafskäse wie Scamorza, Caciocavalli oder Pecorino, die in den Käsereien nach überlieferten Rezepten hergestellt werden. Weitere Verlockung für Gourmets: Auf den Hochebenen von Navelli gedeihen nicht nur kostbare Trüffel, sondern seit Jahrhunderten auch die lilablühenden Safrankrokusse. Das bittersüße Gewürz war im Mittelalter wertvoller als Gold. Es war Heil- und Färbemittel und galt als Aphrodisiakum und ist bis heute das vielleicht teuerste Gewürz der Welt.
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