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Prost Mahlzeit! Weinskandal in Italien | Prost Mahlzeit! Weinskandal in Italien |
Im Wein liegt bekanntlich die Wahrheit, aber die Wahrheit über den Wein ist manchmal erschütternd und liegt schwer im Magen. Pünktlich zur größten italienischen Weinmesse „Vinitaly“ in Verona deckte das Wochenmagazin „L’Espresso“ skandalöse Machenschaften auf. Mit kriminellen Panschereien wurden Weine der untersten Kategoerie „hergestellt“, aber auch der DOCG-Tropfen Brunello steht unter Anklage. Entscheidender UnterschiedBei den billigen Supermarktweinen, die für weniger als zwei Euro pro Liter angeboten werden, wurde ein hochgradig kriminelles Komplott aufgedeckt, das den gesundheitsgefährdenden Giftcuvée im wahrsten Sinne des Wortes produziert hat. Etwa zwanzig Produzenten sind beteiligt, darunter auch zwei Marktführer. Es existiert offenbar eine speziell eingerichtete Chemiefabrik in Apulien, die aus nur einem Drittel Traubenmost plus Wasser, Zucker, Düngemittel, Salz- und Schwefelsäure ein Getränk kreiert hat, dass die Gewinne bis zu 90 Prozent steigern konnte. Der verfälschte „Wein“ kam zum „allergrößten Teil“ in italienische Supermärkte, vor allem in der Lombardei, Venetien, Umbrien und dem Piemont. Der Brunello-Skandal kratzt dagegen nur am Ruf der Edelwinzer. Darüber hinaus kann der falsche DOCG-Rosso bedenkenlos genossen werden. Hier ist lediglich Etikettenschwindel angezeigt. Sturm im Wein-GlasDie Veroneser Weinmesse (3. bis 7. April) wird den Enthüllungen die größtmögliche Aufmerksamkeit widmen, heißt es. Allgemein werden die Fakten nicht angezweifelt. Allerdings hätten die Behörden nach eigenem Bekunden lieber mit den Veröffentlichungen gewartet, bis die Untersuchungen abgeschlossen sind. Ob nun die laufenden Ermittlungen gestört wurden oder Vertuschungen zu befürchten waren, die Medien fordern zu Recht, dass umgehend Namen genannt und die Produkte vom Markt genommen werden. Auch die EU hat sich eingeschaltet. Eine Kommission verlangt Aufklärung über die giftige Mischung und besonders auch darüber, wo überall der Giftcocktail verkauft wurde oder wird. Numero due: ImageverlustDem Vernehmen nach wurden Hunderttausende Flaschen des noblen Toskanatropfens – Brunello-Jahrgang 2003 - von der Lebensmittelpolizei beschlagnahmt. Ihnen wird zur Last gelegt, nicht wie in den strengen DOCG-Richtlinien festgelegt, reinsortig aus Sangiovese-Trauben gekeltert zu sein. Brunello darf sich ein Rosso nur nennen, wenn er zu 100 Prozent aus dieser Rebsorte besteht. Die konfiszierten Weine sollen Beimischungen von Merlot und Cabernet Sauvignan aus Süditalien bzw. Frankreich enthalten. Unter den dreizehn betroffenen Kellereien sind Aushängeschilder der Branche wie Castello Banfi, Frescobaldi und Argiano. Antinori hatte die Flucht nach vorn angetreten und den 2003er Jahrgang von sich aus blockiert. Die – höchst gewinnversprechende – Brunello-Etikettierung wird von den Prüfern angegriffen und muss geändert werden. Dann kommt das noch immer göttliche Gesöff als Super-Tafelwein in die Geschäfte. Rufschädigung
Überlebte Regelung?Angeblich kursieren schon lange Gerüchte über Panschereien beim Brunello. Ausgleichende Stimmen verweisen auf die Schwierigkeit mit Sangiovese-Trauben, auf die großen qualitativen Jahresschwankungen. Möglicherweise geht das Festhalten an der Reinsortigkeit an den Marktbedürfnissen vorbei und die Produzenten bleiben letztlich auf ihrem Superwein sitzen. Also Beimischungen aus edlen Motiven oder zur Bereicherung? Der Landwirtschaftsminister de Castro jedenfalls sieht an den neuen Skandalen nur, „dass unsere Kontrollen funktionieren“. Jeder Skandal hat ja auch eine reinigende Wirkung! Prima – darauf einen guten Schluck! Wer Glück hat, kann als Schnäppchen einen „unreinen“ Brunello-Tafelwein ergattern. [leadsatz/bgu - Fotos: Reuter, bilderbox] Zu Favoriten hinzufügen (85)
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Knapp 250 Produzenten erwirtschaften pro Jahr einen Umsatz von 120 Millionen
Euro. Per Anno werden ungefähr sieben Millionen Flaschen Brunello di Montalcino
hergestellt. Ein Viertel geht in die USA, etwa zehn Prozent kommen nach
Deutschland. Die Vorwürfe prangern an, dass die Winzer sich durch die fremden
Zugaben die Arbeit erleichtert und so einen gefälligeren, runderen Geschmack
erreicht hätten, der vor allem den Wünschen der US-amerikanischen Kunden
entgegenkäme.

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