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Sag’s mit Eiern!
eier_italienIn Südtirol geht’s richtig rund: Ostern wird durchs Ei gesprochen! Wenn es um zarte Gefühle oder die große Liebe geht, verlässt man sich bis heute – mit einem Augenzwinkern - auf jahrhundertealte Eier-Symbolik. Also Handy wegschmeißen und Eier zählen!

Um mit Otto zu sprechen: "Love is in the air – Liebe ist in den Eiern!" Alte Bräuche wollen gepflegt sein, je absonderlicher und anachronistischer, desto besser! "Erbsenzähler" gilt als Schimpfwort für Pedanten, "Eierzähler" bekommt in Südtiroler Gefilden um die Osterzeit eine ganz andere Bedeutung. Nach überliefertem Brauch wird die Zuneigung zum anderen Geschlecht mit einer Eier-Gabe ausgedrückt. Also vergessen Jungverliebte für ein paar Tage die elektronischen Segnungen der Neuzeit, und ledige Frauen gestehen ihre Liebe oder verkünden ihr Desinteresse wie ihre Ur-Ur-Urgroßeltern mit Eiern.

Procedere
Die jungen Männer müssen sich am Tag des heiligen Josefs, dem 19. März, aufmachen und an die Tür der Angebeteten klopfen. Damit fordern sie die Mädchen zur Eier-Spende auf. Weil wichtige Entscheidungen gut überlegt sein wollen, dürfen die Herren erst am Ostermontag wiederkommen und das Ergebnis ihrer "Eierbestellung" einfordern. Da heißt es tapfer sein: Wen zwei Eier erwarten, der muss die Hoffnung nicht ganz aufgeben. Die Zweizahl heißt soviel wie "Du bist okay!" Schlechter sieht es bei der doppelten Menge aus. Vier Eier symbolisieren eindeutig "Kein Interesse!" Die besten Karten hat, wer ein halbes Dutzend abräumt: Sechs Eier sind dem Verlobten vorbehalten.

Ernstfall
Wenn ein Galan von zwölf Eiern überrascht wird, sollte er in sich gehen oder schleunigst verschwinden. Das volle Dutzend ist nämlich dem Bräutigam im Jahr der Hochzeit vorbehalten. Früher galt diese in armen Zeiten sehr großzügige Gabe schon als erstes Hochzeitsgeschenk.

Verlustgeschäft?
Aber auch für die ledigen Frauen kann das "Eierspiel" übel ausgehen. Mit gesundem Selbstbewusstsein decken sie sich vor dem entscheidenden Tag mit reichlich Eiern ein – man kann ja nie wissen, wer schließlich alles an die Tür klopft! Wenn sie allerdings hinterher enttäuscht vor einem Eierberg stehen, Vorsicht. Eierspeisen-Frustessen als Ablenkung geht gar nicht. Die übriggebliebenen Eier sind für die Küche tabu. Nach alter Sitte müssen sie am Dienstag nach dem Osterfest im Garten vergraben werden. Sonst riskiert frau ein Leben als alte Jungfer.

Möglicher Hintergrund

Natürlich gehören Eier zu Ostern wie der Hase. Aber sie waren für die armen Familien in früherer Zeit durchaus eine teure und selten genossene Delikatesse. Vermutlich liegt der Ursprung der "eirigen Liebeserklärung" in dem Versuch der ärmeren Leute, zum Fest leichter an die teuren Eier heranzukommen. Vielleicht hat manche Mutter ihren Sohn zu extra vielen Mädchen geschickt, um das Ostermahl aufzupeppen. Wer aber nur Töchter im "heiratsfähigen Alter" hatte, stand vor einem Problem…

[bgu/leadsatz - Foto: bilderbox]



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