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Casanova: Die Geschichte eines Tausendsassa

731397631Berühmt geworden ist Giacomo Casanova vor allem dank seines enormen Erfolgs bei Frauen. Dabei ist seine Geschichte auch jenseits von Verführung und Eroberung einen genaueren Blick wert. Im Folgenden eine ganz ungewöhnliche Erfolgs-Story.

Dass seine Heimatstadt Venedig ihm noch kein Denkmal gesetzt hat, ist verwunderlich. Denn in der Geschichte Italiens gibt es kaum eine schillernde Gestalt als Giacomo Casanova, der es als Sohn eines Schauspieler-Paares zum "James Bond der Renaissance" brachte.

Für die gebildete Oberschicht jener Zeit war die Sinneslust eine der Haupt-Beschäftigungen überhaupt. Der berühmte Karneval dauerte fast ein halbes Jahr und die Stadt war – zumindest für die Reichen – ein einziger Vergnügungspark. Casanova gelang es wie keinem anderem, diesem Lebensstil zu entsprechen. So schreibt er auch in seinen Memoiren: "Meine sinnlichen Genüsse zu kultivieren, bildete die Hauptbeschäftigung meines ganzen Lebens. Niemals hat es für mich etwas Wichtigeres gegeben".

Der junge Giacomo begriff sehr schnell, dass Bildung einer der Hauptfaktoren für gesellschaftlichen Erfolg darstellte. So ließ er sich zwar auf jeder Promi-Party sehen, vernachlässigte aber keineswegs die Studien, die ihn sogar einen Doktortitel an der Universität von Padua einbrachten.

 


731393851Meister der Verführung

Von Casanova lernen, heißt lieben lernen - das waren seine umwerfenden Tricks bei Frauen

 


 

Wie Casanova seine Aktivitäten unter einen Hut brachte, ist heute kaum mehr nachzuvollziehen. Er muss eine enorme Intelligenz und eine ungeheure Auffassungsgabe besessen haben.

Amouröse Abenteuer mit der Falschen

Seine Karriere war alles andere als stringent und da er stets unter akuter Geldnot litt, bewegte er sich fast sein ganzes Leben lang am Rande der Illegalität. Mit einem kriminellen Mönch zog er in jungen Jahren zu Fuß nach Rom, um sich Almosen zu ergaunern.
Als er völlig pleite in der Hauptstadt ankam, streckte er den Quecksilbervorrat eines reichen Kaufmanns mit Blei und Wismut. Diese Panscherei brachte ihm einiges ein und mit Hilfe eines Empfehlungs-Schreibens des mit seiner Mutter befreundeten Kardinals gelang ihm der Eintritt in die römische Gesellschaft. Schon in dieser Zeit genoss er dank seiner zahlreichen amourösen Abenteuer die Aufmerksamkeit der Gesellschaft. Unter den Eroberungen befand sich allerdings auch die Geliebte des Papst-Neffen, was den Casanova in Lebensgefahr brachte. Er zog es vor, Rom schnellstens wieder zu verlassen.

686538991 Seine Strategie: Zur rechten Zeit am rechten Ort

Nach seiner Rückkehr in Venedig schlug er sich – wieder einmal ohne Geld - eine Weile als Geiger durch. Ein Zufall, der ihn den Wiedereintritt in die venezianische Gesellschaft ermöglichte, dokumentiert, wie begabt Casanova als Gestaltenwandler und Seelenfänger war: Ein Theatergast erlitt einen Schwächeanfall und Casanova nahm die Gelegenheit beim Schopfe. Er brachte ihn nach Hause, wies die heran eilenden Ärzte zurück und gab Anweisungen zur Behandlung des Kranken. Wie sich herausstellte, handelte es sich bei dem "dankbar Geretteten" um den ehemaligen Inquisitor Venedigs, Senator Bragadino. Schon bald waren die beiden dicke Freunde – der Senator adoptierte Casanova.

Legendär wurde sein eineinhalb Jahre währender Aufenthalt im Gefängnis. Wegen des Vorwurfs freigeistiger Gedichte und des Spielbetrugs wurde er am 26. Juli 1755 verhaftet. Der wahre Grund: Er hatte ausgerechnet die Geliebte des mächtigen Inquisitors Antonio Coudulmer verführt. Mit Hilfe einer Eisenstange, die er als Meißel benutze, gelang ihm die abenteuerliche Flucht aus der Zelle. Sein nächster Weg führte ihn nach Paris.

Wieder mittellos, suchte er die Bekanntschaft zur Pariser Hochfinanz. Obwohl er keine Ahnung von Finanz- und Bankgeschäften hatte, gab er vor, ein Lotteriekonzept entwickelt zu haben, das der französischen Krone eine enorme Stange Geld versprach. Durch List und Tücke gelang es ihm, an einer Lotterie beteiligt zu werden, die in Frankreich längst geplant war. Finanziell war dies Casanovas größter Coup: Bald durfte er sechs Lotterie-Annahmestellen sein eigen nennen. Ein beträchtliches Nebeneinkommen bescherte ihm die Spionagetätigkeit für Holland, indem er Pläne der französischen Flotte für eine Landung in England Preis gab.



 
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