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Heilige Mittagsruhe - Wenn Südländer Siesta machen

76393002.jpgWas gibt es schöneres, als nach dem Essen ein Stündchen nichts zu tun, zu lesen, ins Leere zu starren oder einfach ein bisschen zu schlafen? Im sonnigen Süden folgt man seit Urzeiten diesem Instinkt: Die Siesta ist für viele der Inbegriff von Dolce Vita und mediterraner Lebensart. Dabei ist sie erstaunlicherweise immer mehr auf dem Rückzug.


Wer sich jemals mitten im Hochsommer in der glühenden Mittagshitze auf schattenlosen römischen Ausgrabungsstätten oder an anderen der prallen Sonne ausgesetzten Plätzen in Italien herumgetrieben hat, der weiß: Die südliche Sonne kann richtig erbarmungslos brennen. Und schnell wird in solchen Momenten klar, warum in italienischen Städten und Dörfern zwischen zwölf und vier Uhr nachmittags nicht viel los ist.

Selbst touristische Städte verwandeln sich in dieser Zeit gerne in völlig verwaiste Orte mit lichtdurchfluteten Straßen, verschlossenen Türen und Fenstern, unwirtlich und mit einer gespenstischen Stille, in der man höchstens das ferne Rauschen des Meeres, das Summen der Fliegen und das Flirren der Gluthitze vernimmt. Und nicht selten das leise Schnarchen eines glücklichen Schläfers, womöglich untermalt durch einen Fernseher, der die ganze ausgestorbene Gasse beschallt. Das ist sie, die berühmte Siesta, die herrliche Zeit der Ruhe und Gelassenheit, eine heilige Zeit für die Einheimischen, die mit dem kollektiven Nichtstun dem Ur-Rhythmus mediterraner Lebensart folgen. Wer sich diesem Ritus nicht unterordnet, ist selbst schuld. Sympathiepunkte bekommt man jedenfalls nicht, wenn man in diesen Stunden irgendetwas einkaufen oder seinem sizilianischen Freund einen spontanen Besuch abstatten will. Ganz im Gegenteil - meist steht man vor verschlossenen Türen.

Grausames Experiment in Sizilien

Die Siesta hat in den südlichen Ländern eine lange Tradition. Noch heute erzählt man sich in Sizilien eine grausame Geschichte. Stauferkaiser Friedrich II. wollte der Legende nach mit seinen Menschenversuchen unter anderem heraus finden, ob es sich nach dem Essen im Schlaf oder bei einem Spaziergang besser verdaue.

Was gibt es schöneres, als nach dem Essen ein Stündchen nichts zu tun, zu lesen, ins Leere zu starren oder einfach ein bisschen zu schlafen? Im sonnigen Süden folgt man seit Urzeiten diesem Instinkt: Die Siesta ist für viele der Inbegriff von Dolce Vita und mediterraner Lebensart. Dabei ist sie erstaunlicherweise immer mehr auf dem Rückzug.

Wer sich jemals mitten im Hochsommer in der glühenden Mittagshitze auf schattenlosen römischen Ausgrabungsstätten oder an anderen der prallen Sonne ausgesetzten Plätzen in Italien herumgetrieben hat, der weiß: Die südliche Sonne kann richtig erbarmungslos brennen. Und schnell wird in solchen Momenten klar, warum in italienischen Städten und Dörfern zwischen zwölf und vier Uhr nachmittags nicht viel los ist.

Selbst touristische Städte verwandeln sich in dieser Zeit gerne in völlig verwaiste Orte mit lichtdurchfluteten Straßen, verschlossenen Türen und Fenstern, unwirtlich und mit einer gespenstischen Stille, in der man höchstens das ferne Rauschen des Meeres, das Summen der Fliegen und das Flirren der Gluthitze vernimmt. Und nicht selten das leise Schnarchen eines glücklichen Schläfers, womöglich untermalt durch einen Fernseher, der die ganze ausgestorbene Gasse beschallt. Das ist sie, die berühmte Siesta, die herrliche Zeit der Ruhe und Gelassenheit, eine heilige Zeit für die Einheimischen, die mit dem kollektiven Nichtstun dem Ur-Rhythmus mediterraner Lebensart folgen. Wer sich diesem Ritus nicht unterordnet, ist selbst schuld. Sympathiepunkte bekommt man jedenfalls nicht, wenn man in diesen Stunden irgendetwas einkaufen oder seinem sizilianischen Freund einen spontanen Besuch abstatten will. Ganz im Gegenteil - meist steht man vor verschlossenen Türen.

76393757.jpgRevival als "power nap"

Solch drastischer Maßnahmen bedarf es heute nicht mehr, um zu beweisen, wie sinnvoll ein kurzes Nickerchen nach dem Mittagessen sein kann. Während man noch vor ein paar Jahren die Südländer wegen ihrer Siesta belächelte oder gar als "faul" bezeichnete, haben nun auch die Industriestaaten die Vorteile des Kurzschlafes erkannt.

Amerikanische Manager schlafen den "power nap" und preisen den Turboschlaf als Muntermacher schlechthin. Und neuerdings gibt es sogar öffentliche Schlafsäle, in denen man mittags gegen Bezahlung eine halbe Stunde wegdösen kann.

Fast könnte man meinen, dass es damit auch die größten Ignoranten gemerkt haben, dass eine wohldosierte Pause nichts mit Faulheit zu tun hat. Schließlich arbeitet man im sonnigen Süden abends auch länger. Und nachdem die gute alte Siesta als neudeutscher "power nap" ihren Siegszug um die Welt angetreten hat, dürfen auch wir vielleicht irgendwann einmal am Arbeitsplatz eine halbe Stunde die Augen zumachen - spätestens dann, wenn das Mittags-Schläfchen eines Tages richtig chic ist.

Siesta vom Aussterben bedroht

Kurios ist, dass ausgerechnet im Heimatland der Siesta - in Sizilien nämlich - neuerdings multinationale Konzerne den Schläfern auf der Insel einen Strich durch die Rechnung machen.
siesta chiuso
Als hätte es nie eine Siesta gegeben, wird da den Angestellten ein neuer Arbeits- und Lebens-Rhythmus aufgedrängt und hinter verspiegelten, klimatisierten Büros wird den ganzen Tag auf Teufel komm raus geschuftet. Wenn sich das mal nicht rächen wird! Schließlich ist die Siesta in mediterranen Gefilden seit Menschengedenken ein Natur- und Menschenrecht. Ein Leben ohne Siesta, das ist für viele im Süden wie ein Leben ohne Wein, Brot und Oliven - und damit eigentlich kein menschenwürdiges Leben. Also: Auf die Barrikaden, ihr bedrohten Mittags-Schläfer! Unsere Sympathie ist jedenfalls mit Euch. Denn im Grunde unseres Herzens sind wir nur neidisch.

[Text: laudatio - Fotos: Reuters, bilderbox]
 
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