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Italo-Knigge
kuss_knigge_234Das Klischee von Italien malt lebensfrohe, offene Menschen mit einem Lied auf den Lippen, die das Leben leicht angehen und Konventionen nicht sehr ernst nehmen. Wie immer stimmt das Klischee nur zum Teil: Wer mit italienischen Behörden zu tun hat, hört den Amtsschimmel kräftig wiehern. Auch im Job und sogar im Urlaub lohnt es sich, auf Besonderheiten und Gepflogenheiten Rücksicht zu nehmen. Das schont die Nerven aller Beteiligten, und dem guten Eindruck – der bella figura – steht nichts im Wege.

Höflichkeit

Höflichkeit ist wichtig. Ohne Buon giorno (Guten Tag) oder Buona sera (Guten Abend) läuft nichts. Trifft man auf quasi Fremde, ist Händeschütteln angesagt. Das Begrüßungsritual steigert sich mit der Zeit über mehrmaliges Schulterklopfen bis zum Bussi. Wobei in Italien zweimal geküsst wird: erst links, dann rechts. Akademische Titel sind schwer erarbeitet und müssen unbedingt ausgesprochen werden. Eine Vorab-Recherche über die Stellung des Gesprächspartners kann Peinlichkeiten vermeiden: Signor Dottore, Signora Dottoressa, Professore, Professora …

Toleranz

Italiener schwören auf die zufälligen Winke des Schicksals. Aberglaube ist an der Tagesordnung. Wer die Sensibilität der Gastgeber nicht verletzen möchte, sollte dieses Gebaren am besten wortlos tolerieren, keinesfalls aber ins Lächerliche ziehen. Ist man eingeladen, bedeutet Pünktlichkeit, eine Viertelstunde verspätet zu kommen. Mit Blumen und Schokolade ist jeder Gast auf der sicheren Seite. Beim Wein ist Vorsicht geboten und Qualität gefragt. Ein guter regionaler Landwein erfreut zur Fete auf dem Land. Mit guten Tropfen von zu Hause, aus dem eigenen Land, kann meist nicht gepunktet werden. Private Partys gehen meist davon aus, dass sich jeder selbst am Kühlschrank bedient. Italiener lieben Kartenspiele mit hohem Einsatz – hier ist Pokerface gefragt.

Verkehr

Hier gebärden sich die Italiener oft so, wie man es von ihnen erwartet: Auf Vorfahrtsregeln und Rotlicht sollte man ebenso wie auf Zebrastreifen nicht zu sehr vertrauen. Nur mit Nervenstärke, Bauchgefühl und viel Kulanz kommt man als Fahrer und Fußgänger heil durch Bella Italia.

spaghetti_knigge_150Bei Tisch

Nur keine Scheu! Bei einem deftigen Spaghettigericht kann der Mund nahe zum Teller geführt werden. Auch die Spritzschutz-Serviette im Dekolleté unterstreicht eher die gute Saucenqualität und fällt nicht unangenehm auf. Ein absolutes No-Go ist es allerdings, die Spaghetti oder Tagliatelle mit Gabel und Löffel zu essen! Auch die Pasta zu schneiden ist verpönt, dann lieber direkt über dem Teller schlürfen und spritzen. Kaffe-Kunst wird groß geschrieben. Oft endet das Menü mit einem Espresso – wer mag, kann trainieren, den kleinen Schwarzen wie ein echter Italiener mit nur zwei Schlucken hinunterzustürzen.

Im Job

Viele Unternehmen sind sehr patriarchalisch strukturiert. Egal was die Belegschaft will, der Boss hat das letzte Wort. Auch in Bezug auf die Geschäftssprache ist man in Italien durchaus konservativ. Deshalb empfiehlt es sich bei lückenhaften Sprachkenntnissen unbedingt, für den Briefwechsel einen Übersetzer zu bemühen. Gutes Italienisch ist der Schlüssel zu vielen Türen, denn fast jeder Chef zieht Gespräche von Auge zu Auge der Korrespondenz vor. Dabei ist schon der äußere Eindruck die halbe Miete. Kleider machen Leute, und das Land der Designer legt Wert auf Qualität bei Schnitten und Stoffen. Und obwohl es gen Süden immer heißer wird: In diesen bis heute konservativeren Gegenden zeigt Frau weniger Haut als im Norden.

Buchtipp zum Thema
Katja Alves / Dawn Parisi Darf man das? Das Benimmbuch für unterwegs 208 Seiten, € 14,90 ISBN: 978-3-7254-1418-5 Sanssouci im Carl Hanser Verlag, München 2006 www.sanssouci-verlag.de

[Leadsatz/bgu - Fotos: bilderbox]



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