Das Klischee von Italien malt lebensfrohe, offene Menschen mit einem Lied auf
den Lippen, die das Leben leicht angehen und Konventionen nicht sehr ernst
nehmen. Wie immer stimmt das Klischee nur zum Teil: Wer mit italienischen
Behörden zu tun hat, hört den Amtsschimmel kräftig wiehern. Auch im Job und
sogar im Urlaub lohnt es sich, auf Besonderheiten und Gepflogenheiten Rücksicht
zu nehmen. Das schont die Nerven aller Beteiligten, und dem guten Eindruck – der
bella figura – steht nichts im Wege.
Höflichkeit Höflichkeit ist wichtig. Ohne Buon giorno (Guten Tag) oder Buona sera (Guten
Abend) läuft nichts. Trifft man auf quasi Fremde, ist Händeschütteln angesagt.
Das Begrüßungsritual steigert sich mit der Zeit über mehrmaliges Schulterklopfen
bis zum Bussi. Wobei in Italien zweimal geküsst wird: erst links, dann rechts.
Akademische Titel sind schwer erarbeitet und müssen unbedingt ausgesprochen
werden. Eine Vorab-Recherche über die Stellung des Gesprächspartners kann
Peinlichkeiten vermeiden: Signor Dottore, Signora Dottoressa, Professore,
Professora …
ToleranzItaliener schwören auf die zufälligen Winke des Schicksals. Aberglaube ist an
der Tagesordnung. Wer die Sensibilität der Gastgeber nicht verletzen möchte,
sollte dieses Gebaren am besten wortlos tolerieren, keinesfalls aber ins
Lächerliche ziehen. Ist man eingeladen, bedeutet Pünktlichkeit, eine
Viertelstunde verspätet zu kommen. Mit Blumen und Schokolade ist jeder Gast auf
der sicheren Seite. Beim Wein ist Vorsicht geboten und Qualität gefragt. Ein
guter regionaler Landwein erfreut zur Fete auf dem Land. Mit guten Tropfen von
zu Hause, aus dem eigenen Land, kann meist nicht gepunktet werden. Private
Partys gehen meist davon aus, dass sich jeder selbst am Kühlschrank bedient.
Italiener lieben Kartenspiele mit hohem Einsatz – hier ist Pokerface gefragt.
VerkehrHier gebärden sich die Italiener oft so, wie man es von ihnen erwartet: Auf
Vorfahrtsregeln und Rotlicht sollte man ebenso wie auf Zebrastreifen nicht zu
sehr vertrauen. Nur mit Nervenstärke, Bauchgefühl und viel Kulanz kommt man als
Fahrer und Fußgänger heil durch Bella Italia.
Bei TischNur keine Scheu! Bei einem deftigen Spaghettigericht kann der Mund nahe zum
Teller geführt werden. Auch die Spritzschutz-Serviette im Dekolleté
unterstreicht eher die gute Saucenqualität und fällt nicht unangenehm auf. Ein
absolutes No-Go ist es allerdings, die Spaghetti oder Tagliatelle mit Gabel und
Löffel zu essen! Auch die Pasta zu schneiden ist verpönt, dann lieber direkt
über dem Teller schlürfen und spritzen. Kaffe-Kunst wird groß geschrieben. Oft
endet das Menü mit einem Espresso – wer mag, kann trainieren, den kleinen
Schwarzen wie ein echter Italiener mit nur zwei Schlucken hinunterzustürzen.
Im JobViele Unternehmen sind sehr patriarchalisch strukturiert. Egal was die
Belegschaft will, der Boss hat das letzte Wort. Auch in Bezug auf die
Geschäftssprache ist man in Italien durchaus konservativ. Deshalb empfiehlt es
sich bei lückenhaften Sprachkenntnissen unbedingt, für den Briefwechsel einen
Übersetzer zu bemühen. Gutes Italienisch ist der Schlüssel zu vielen Türen, denn
fast jeder Chef zieht Gespräche von Auge zu Auge der Korrespondenz vor. Dabei
ist schon der äußere Eindruck die halbe Miete. Kleider machen Leute, und das
Land der Designer legt Wert auf Qualität bei Schnitten und Stoffen. Und obwohl
es gen Süden immer heißer wird: In diesen bis heute konservativeren Gegenden
zeigt Frau weniger Haut als im Norden.
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Katja Alves / Dawn Parisi Darf man das? Das Benimmbuch für unterwegs 208 Seiten,
€ 14,90 ISBN: 978-3-7254-1418-5 Sanssouci im Carl Hanser Verlag, München 2006
www.sanssouci-verlag.de
[Leadsatz/bgu - Fotos:
bilderbox]
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