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Bertone - Der Pferdestärkendesigner |
Giuseppe "Nuccio" Bertone war ein wahres Multitalent: Als genialer Designer, risikofreudiger Unternehmer und erfolgreicher Rennfahrer schrieb er Automobilgeschichte und begeistert Hersteller und Fans bis heute. Seine "Carozzeria Bertone" zählt zu den einflussreichsten Designstudios Italiens.
Bilder-Galerie: Heiße Prototypen und unsterbliche Autoklassiker
Pferdestärken spielten für Giuseppe Bertone von Anfang an eine große Rolle. Sein Vater Giovanni gründete 1912 einen Betrieb, der zunächst auf den Bau und die Reparatur von Kutschen spezialisiert war. Im Kriegsjahr 1914 erblickte dann Giuseppe das Licht der Welt, aber schon bald war er wesentlich bekannter unter seinem Kosenamen "Nuccio".
Bertone entdeckt das AutomobilAufgrund seiner qualitativ hochwertigen und von den Kunden sehr geschätzten Produkte expandierte das Familienunternehmen Bertone rasch. In den kommenden Jahren verlagerte die Carozzeria Bertone allerdings ihr Kerngeschäft von Pferdefuhrwerken hin zu Automobilaufbauten und folgte damit der rasanten Entwicklung der Automobilindustrie. So kleidete Bertone bereits 1921 das erste Automobil ein, einen SPA 35750 HP Sporttorpedo. Es sollten noch viele Karosserien für Sportwagen folgen.
Nuccio Bertone selbst trat 1934 im Alter von 20 Jahren in den Familienbetrieb ein, nachdem er nicht etwa Design oder Kunst studiert, sondern erfolgreich eine Buchhalterlehre absolviert hatte. Mit diesen Kenntnissen und seinem Gespür für ästhetische Formgestaltung steuerte Nuccio gemeinsam mit seinem Vater das Unternehmen erfolgreich durch die schwierigen 1930er und 1940er Jahre.
Durchbruch mit der GiuliettaAuch in den folgenden Jahrzehnten gelang es dem genialen Pferdestärkendesigner mehrmals, sein Unternehmen vor dem Aus zu bewahren und Übernahmen durch namhafte Konzerne zu verhindern. Stattdessen stieg Bertone selbst in die Automobilherstellung ein und fertigte im Auftrag von Alfa Romeo ab 1954 die legendäre Giuletta.
Heiße Prototypen und unsterbliche Klassiker aus dem Hause Bertone
Es versteht sich von selbst, dass auch Konzeption und Design bei der Giulietta aus dem Hause Bertone stammten. Die Nachfrage war so groß, dass Nuccio auf eigenes Risiko zusätzliche Produktionskapazitäten schaffen und deshalb riesige Kredite aufnehmen musste. Der gigantische Erfolg dieser waghalsigen Investitionen stellte sich indes schnell ein. Die Carozzeria Bertone war im Olymp der internationalen Automobilbranche angekommen. Zu den renommierten Kunden zählten nun neben Alfa Romeo unter anderen Fiat, Ferrari, Ford, Jaguar, Porsche, BMW und Citroën.
Rennfahrer mit TemperamentDaneben stellte Giuseppe Bertone sein Talent als Rennfahrer eindrucksvoll unter Beweis. So gewann er mit einer selbstentwickelten Barchetta auf Topolino-Basis die italienische Meisterschaft und belegte 1953 mit einem Ferrari bei der berühmten Mille Miglia den dritten Rang.
Nuccios mitunter aufbrausendes Temperament auf der Rennstrecke bekamen auch seine Angestellten zu spüren. Mit ihm als Chef war nicht immer gut Kirschen essen. Eine langjährige Freundschaft verband ihn mit Ferruccio Lamborghini, für den er zahlreiche Meisterwerke wie den Miura Spider schuf. Regelrecht verhasst war ihm dagegen Giorgetto Giugiaro, der zunächst zwar für Bertone arbeitete, ihm bald darauf aber mit seinem eigenen Unternehmen Italdesign mächtig Konkurrenz machte. Neben Bertone und Pininfarina etablierte sich Italdesign als tonangebendes Designstudio in Italien.
Turbulentes PrivatlebenAuch privat war Nuccio Bertone offenbar kein Kind von Traurigkeit. Zwar arbeitete Bertone fast jede Minute wie ein Besessener, doch Gerüchten zufolge gönnte er sich zur Entspannung regelmäßige Bordellbesuche. 1966, also als gestandener 52jähriger Mann, trat er dann doch noch vor den Traualter. Seine Frau Ermelinda schenkte ihn zwei Töchter: Barbara und Marie-Jeanne, die seit dem Tod ihres Vaters am 27. Februar 1997 das Unternehmen Carozzeria Bertone leiten.
[Laudatio, Leadsatz - Fotos: Fiat, Reuters]
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