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Forza nuova: Frische Motorrad-Power made in Italy

duc_sport1000Kleine Marken für große Herzen

Mit Benelli, Moto Morini und MV Agusta wurden drei italienische Traditionshersteller reanimiert, die sich alle mehr als 20 Jahre im Dunkel des japanischen Motorradbooms versteckt hatten und die höchstens noch als Themen von Classic-Zeitschriften oder an Italiener-Stammtischen taugten. Dass dazu auch noch Moto Guzzi neues und frisches Leben eingehaucht wurde, macht das italienische Motorradwunder nahezu perfekt.

Jahrelang musste Moto Guzzi sich mit veralteten Sportlern und den nicht minder angestaubten Californias durchs Leben schlagen. Daran änderte sich auch in den ersten Jahren im Familienverbund der Aprilia-Gruppe nicht viel. Seit jedoch Piaggio das Ruder bei Aprilia und Guzzi übernommen hat, geht es steil bergauf mit dem ältesten Motorradhersteller aus Italien. Neue Modelle, modernere Motoren, aktuelles Design – auch wenn Guzzi wohl nie Massenware produziert, ist man für einen Nischenmarkt inzwischen sehr gut gerüstet.

 

Abschied vom Baumarkt

Es gab einmal eine Zeit, da waren auch Benelli und Moto Guzzi eng verwandt – gab die Benelli-Zweitakter sogar mit Guzzi-Logo auf dem Tank. Doch dann wurde es sehr ruhig um Benelli – lediglich einige Billigroller standen unter dem Label im Baumarkt.

mg1200sport_150 Im Baumarkt bekommt man die aktuellen TnT, Tornado oder TreK nicht. Aber dafür bekommt man sie mit kräftigen Dreizylindern, sehr viel Liebe zum Detail – und den schönsten Schwingen aller Zeiten. Dass die Firma inzwischen zum chinesischen Motorradhersteller Quinjiang gehört, hat sich bisher als durchweg positiv dargestellt.
Auch um Moto Morini war es ein paar Jahrzehnte sehr still. Nun ist auch diese Firma mit zwei neuen Modellen zurück gekehrt. Angetrieben werden die beiden von einem V2 mit 1.187 cm³, die Verarbeitung ist – für einen neuen Hersteller nicht die Regel – sehr gut.

Wer den Namen MV Agusta hört und schon ein paar Jährchen auf dem Motorradbuckel hat, denkt zuerst einmal an die Sporterfolge mit Fahrern wie Giacomo Agostini und Phil Read. Inzwischen darf auch an die Sporterfolge mit Jörg Teuchert in der IDM 2005 und 2007 oder an das Design von Massimo Tamburini gedacht werden. Der frühere Chefentwickler von Ducati (bekannteste Schöpfung: Ducati 916) ist inzwischen Oberguru bei MV und hat zur Auferstehung der italienischen Motorradlegende zwei Modelle gezeichnet, die sich auch in jedem modernen Museum gut machen würden: F4 und Brutale sind absolute Highlights des Motorraddesigns – und technische Leckerbissen.

apr_pegaso_150 Wer sich eine MV oder Benelli einmal aus der Nähe und in aller Ruhe ansieht, wird noch einen weiteren Unterschied zu japanischen oder deutschen Großserienprodukten erkennen: die Liebe zum Detail. Ob in die Fußrasten gefräste Markenlogos oder aufwendige Hinterradschwingen aus lackierten Rohren: den meisten Motorrädern aus Italien merkt man deutlich an, dass vom Ingenieur bis zur Putzfrau das Herz für die produzierten Motorräder schlägt. Da mag es noch immer einmal vorkommen, dass eine Kabelisolierung nicht der Norm entspricht oder eine Hupe auf der falschen Seite platziert wurde – bei der Leidenschaft für das Motorrad wurde in Italien noch nie geschlampt.

Und außerdem: wären Verona oder Neapel oder Rom auch so schön, wenn der Verkehr in geordneten Bahnen verliefe, die Häuser alle ordentlich verputzt wären und die Menschen auf der Piazza sich leise unterhalten würden? Eben!

[Wolf Fischer/moto4fun, Leadsatz - Fotos: Hersteller]


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